Diagonale

empfiehlt
Steckbrief
Gegründet: 1993. Seit 1998 jährlich in Graz.
Zeitpunkt: Diagonale’22 von 5. bis 10. April 2022
Homepage: diagonale.at

„Das ganze Spektrum filmischen Erzählens zu zeigen und Raum zu geben für zahlreiche Begegnungen von Filmschaffenden und Publikum“, hieß es 1998 anlässlich der ersten Diagonale in Graz. Am damals formulierten Anspruch will auch das 25. Festival des österreichischen Films festhalten: Ergänzend zur Jubiläumsausgabe in den Grazer Kinos versammeln KINO VOD CLUB und Diagonale sieben Filme fürs Heimkino: Preisträger*innen, Publikumslieblinge, politisch hellwaches Kino, dokumentarische Glanzlichter. Es sind Filme, die gerne mal widersprüchliche Meinungen, Haltungen, Erlebnisse und Träume versammeln – Filme aus der Gesellschaft, Filme über Gesellschaft. Der österreichische Film bleibt neugierig, gewitzt – und beglückt. Eine filmische Einladung von Herzen!

Quo Vadis, Aida? von Jasmila Žbanić

Ein Film wie ein Aufschrei, eine angesichts gegenwärtiger Kriegseskalationen aktualisierte und dringliche Mahnung: Jasmila Žbanićs vielfach ausgezeichneter Spielfilm ist den Frauen von Srebrenica und ihren 8.372 getöteten Söhnen, Vätern, Ehemännern, Brüdern, Cousins, Nachbarn gewidmet, die dem Völkermord 1995 zum Opfer fielen.

Fuchs im Bau von Arman T. Riahi

Der Eröffnungsfilm der Diagonale’21 – ein Genrespiel im Zeichen von Coming-of-Age unter erschwerten Bedingungen. Fuchs im Bau ist ein mit Aleksandar Petrović, Maria Hofstätter und der Schauspielentdeckung Luna Jordan stark besetzter Spielfilm mit hoher gesellschaftspolitischer Dringlichkeit. Vor allem aber ist er eines: unterhaltsames, intelligentes Kino!

Hochwald von Evi Romen

Mit dem Großen Diagonale-Preis Spielfilm beim Festival 2021 ausgezeichnet, besticht Hochwald zuvorderst durch das großartige Spiel von Thomas Prenn als sensiblem Traumtänzer, dessen Outfits und Gesten zwischen Glamour und Retro, zwischen männlicher und weiblicher Codierung changieren. Ein Film über einen jungen Mann auf Sinnsuche. Lebendig! Faszinierend!

Weiyena – ein Heimatfilm von Weina Zhao und Judith Benedikt

Ein Heimatfilm und eine kluge Erkundung der eigenen Herkunft, die auch vor den dunkleren Kapiteln des 20. Jahrhunderts nicht zurückschreckt. Weiyena – ein Heimatfilm ist einer der außergewöhnlichsten Dokumentarfilme der letzten Jahre. Oder um es mit der Regisseurin Weina Zhao zu sagen: „Wenn das Leben meiner Großmutter ein Spielfilm wäre, hätte ich schon nach einer halben Stunde ausgeschaltet, weil ich die nicht enden wollenden Tragödien und die Brutalität nicht ertragen hätte.“

Eva-Maria von Lukas Ladner

Als bester Nachwuchsfilm bei der Diagonale’21 ausgezeichnet, erzählt Eva-Maria von einer jungen Frau, die sich trotz einer schweren körperlichen Beeinträchtigung nicht vom Kinderwunsch abbringen lassen will. Eva-Maria ist ein feinfühliger Film mit einer sagenhaft charismatischen, teils regelrecht spitzbübischen Protagonistin. Realisiert wurde der Film von ihrem langjährigen Pfleger und nunmehrigen Neo-Filmemacher Lukas Ladner in Kooperation mit der Golden Girls Filmproduktion.

The Bubble von Valerie Blankenbyl

Valerie Blankenbyl fühlt einer stetig wachsenden Wohlfühl-Enklave für Senior*innen auf den Zahn: den „Villages“ in Zentralflorida. Blankenbyl erzählt dabei nicht nur von dutzenden Golfplätzen und teils absurd anmutenden Freizeitangeboten, sondern auch von Konzepten des Altwerdens ebenso wie von städteplanerischen Visionen und ihren gesellschaftlichen Kehrseiten. Ein ausnehmend unterhaltsamer, cleverer Dokumentarfilm mit einer der wahrscheinlich besten Schlussszenen im österreichischen Dokumentarfilm!

Aufzeichnung aus der Unterwelt von Tizza Covi und Rainer Frimmel

Tizza Covi und Rainer Frimmel ist 2022 die Diagonale-Reihe Zur Person gewidmet, bereits 2021 wurden sie für Aufzeichnungen aus der Unterwelt mit dem Großen Diagonale-Preis Dokumentarfilm ausgezeichnet. Mit ihrem Film haben sie ein Zeitdokument von beachtlicher Dimension und Sensibilität realisiert und dem „Sinatra aus Ottakring“, Kurt Girk, sowie dem Wiener „König der Unterwelt“ Alois Schmutzer ein filmisches Denkmal gesetzt.

Credits : Diagonale / Sebastian Reiser